Umbau des Modells 4329 von Fleischmann auf Wechselstrombetrieb

Das Vorbild - die Baureihe 141 der DB/DBAG

 

Achsfolge Bo'Bo
Leistung 2400 kW/3264 PS
Höchstgeschwindigkeit 120 km/h
Dienstgewicht 83, 8 t
LüP 15,66 m
Baujahr ab 1956

Im Laufe ihrer Dienstzeit hat die Baureihe 141 eine ganze Reihe unterschiedlicher Lackierungsvarianten über sich ergehen lassen müssen. Ausgeliefert wurden die ersten 141er in blau, spätere Serien in grün. Mit der Einführung des blau-beigen Frabschemas wurden auch die Baureihe 141 entsprechend umlackiert. Auch vom umstrittenen orientroten Design mit Lätzchen blieb diese Lok nicht verschont. Wesentlich besser steht den Maschinen nun aber der verkehrsrote Anstrich mit weißen Balken und grauen Rahmen zu Gesicht. Zum Einsatzgebiet dieser Lokomotiven gehörte ursprünglich auch der Schnellzugverkehr, bis dort die Geschwindigkeiten auf über 120 km/h angehoben wurden. Seitdem ist der Regionalverkehr das Einsatzgebiet dieser Baureihe.

Für die Nürnberger S-Bahn wurden in den Achtziger Jahren einige Maschinen umgerüstet und erhielten dabei den charackteristischen S-Bahn-Anstrich. Später erhielt Nürnberg S-Bahn-143er, die S-Bahn-141er wurden nach Frankfurt abgegeben.

Schon lange interessierte mich ein Modell der Baureihe 141 in S-Bahn-Ausführung. Als das Fleischmann-Modell 4329 günstig erstehen konnte, griff ich sofort zu. Leider ist speziell diese Ausführung der 141 von Fleischmann ausschließlich für Zweileiter erhältlich, es war also etwas Umbauarbeit angesagt.

Hier wird gezeigt, wie sich das Fleischmann-Modell 4329, Baureihe 141 der DB in S-Bahn-Ausführung, für Wechsltrombetrieb (analog) umrüsten läßt. Die Arbeiten lassen sich mit relativ geringem Aufwand durchführen.

Bevor es losgeht, sollte man sich einmal mit dem Modell etwas vertraut machen

Die Lok besitzt bewährte Technik von Fleischmann; der Antrieb erfolgt auf ein Drehgestell durch den klassischen dreipoligen Rundmotor mit Scheibenkollektor. Das andere Drehgestell dient zur Stromabnahme. Der Schalter zum wahlweisen Betrieb über Gleis oder Oberleitung befindet sich zwischen den beiden Drehgestellen; im Gegensatz zu Märklin-Loks sitzt er jedoch in der Fahrzeugmitte und ist nicht als Umschalthebel ausgeführt, sondern ein mit dem Schraubenzeiher eizustellender Drehschalter. Das Gehäuse ist auf das Fahrwerk aufgerastet. Alles in allem ist die Fleischmann-141 eine gut detailierte Nachbildung des Originals.

Stromabnahme

Meine Lok habe ich anfangs ausschließlich für reinen Oberleitungsbetrieb umgerüstet. Im Klartext bedeutet dies: die Lok hat keinen Schleifer erhalten! Wer die Lok dennoch mit einem Schleifer ausrüsten will: mein Exemplar besitzt leider keine Bohrung für eine entsprechende Schraube am Stromabnahme-Drehgestell, ganz im Gegensatz zu dem Modell, das auf der Betriebsanleitung abgebildet ist. Es gibt nun die Möglichkeit, eine solches Schraubgewinde zu bohren oder bohren zu lassen, oder eben das Drehgestell gegen eines der Wechselstrom-Version der altgrünen oder orientroten 141er-Variante von Fleischmann auszutauschen. Dieses Teil muß dann allerdings als Ersatzteil bestellt werden.

Ausbau des Schaltpilzes

Schaut man auf die Unterseite der Lok fällt der Blick auf den für Fleischmann-Gleichstromloks typischen Schaltpilz. Da dieser beim Wechselstrombetrieb nur stört, muß er demontiert werden. Dazu muß zunächst das Stromabnahme-Dreghestell ausbaut werden. Dann die Schraube, mit der die Drehgestell-Blende auf dem eigentlichen Drehgestell verschraubt ist, gelöst. Nachdem auch die beidseitigen Radschleifer abgeschraubt wurden, kann das Drehgestell herausgenommen werden.

Nun kann man den Schaltpilz demontieren. Dieser ist durch einen Sprengring befestigt. Sobald dieser Ring entfernt ist, kann der Pilz von unten herausgezuogen werden. Anschließend kann man das Drehgestell wieder in die Lok einbauen, wobei unbedingt beide Radschleifer wieder angeschraubt werden müssen, um später einen ausreichenden MasseKontakt erzielen zu können.

Motorschild
Skizze A zeigt das Motorschild im Originalzustand. Der Rundmotor besitzt zwei Schleifkohlen, hier mir A und B gekennzeichnet. Durch zwei ebenfalls mit A und B gekennzeichnete Schrauben ist das Motorschild auf dem Motorblock verschraubt.
Skizze B zeigt die elektrisch leitende Verbindung zwischen den Lötflächen/ Kontaktflächen (hellgrau) an Schraube A und Schleifkohle A. Die Verbindung zwischen den beiden Belchen muß durchtrennt werden, da es sonst später zu einem Kurzschluß kommt.
Skizze C zeigt das Motorschild, nachdem diese die elektrisch leitende Verbindung durchtrennt wurde.
Einbau des Fahrtrichtungswechslers, Verdrahtung

Als Fahrtrichtungswechsler nahm ich den FRU 550 von Uhlenbrock. Die Flächen der Platine sind der unten stehenden Skizze zufolge durchnummeriert.

Als erstes wurde nicht mehr benötigte Verdrahtung entfernt. Kabel A und B, die zu den beiden Radschleifern des Stromabahmedrehgestells führen, werden auf Fläche 1 der Platine verlötet. Ebenfalls dort angelötet wurde Kabel C, die Verbindung zum Radschleifer des Motordrehgestells.

Nun geht es an den Einbau des Fahrtrichtungswechslers. Der FRU 550 hat vier Anschlußkabel - zwei rote und zwei schwarze. Die beiden schwarzen Kabel, im Schaltplan mit D und E gekennzeichnet, wurden auf den Flächen 1 und 2 der Platine verlötet. Die beiden roten Kabel, laut Skizze Kabel F und G, werden an den Lötflächen der Schleifenkohlen A und B auf dem Motorschild angelötet.

Seinen Platz findet der Umschalter in der Vertiefung für die Platine. Natürlich muß er mit Isolierband gegen eine elektrisch leitende Verbindung mit dieser und auch mit dem Chassis geschützt werden. Um einen Kabelsalat in der Lok zu vermeiden, sind selbstverständlich alle Kabel des Umschalters auf die benötigte Länge zu kürzen, wobei allerdings dennoch etwas Spielraum mit einemessen werden sollte.

Kabel J dient dem Anschluß eines Schleifers. Dieser Einbau ist jedoch nur dann erforderlich, wenn nicht über die Oberleitung gefahren wird. Falls es zu diesem Einbau kommt, ist Kabel J auf Fläche 3 anzulöten.

Auf Fläche 4 der Platine sitzt das Kontaktblech, welches für die elektrische Verbindungzu den Stromabnehmern sorgt.

Beleuchtung mit fahrtrichtungsabhängigem Lichtwechsel. Die Lämpchen haben bei dieser Lok keine richtigen Fassung; sie stecken in senkrechten Bohrungen im Rahmen, welcher dabei auch gleichzeitig den Masseanschluß darstellt. Gehalten werden sie von unten von Federblechen, die auf die jeweils auf einer abschraubaren kleinen Platine montiert sind.

Die Lampen werden über die Kabel H und I an die Kontaktbleche der Schleifkohlen angeschlossen. Dabei müssen Dioden vor die Lämpchen geschaltet werden.

Tip: bei meiner Lok wollte Lampe 1 nicht richtig brennen. Es stellte sich heraus, daß es das Kontaktblech an der Lampenhalterung etwas verbogen war und somit kein ordentlicher Kontakt zustande kommen konnte. Nachdem ich das Belch zurechtgebogen hatte, brannte Lampe 1 ohne Probleme. Vor dem Anschluß sollten Lampen (mit den Dioden!) auf ihre funktion hin überprüft werden, da auch einmal eine Diode defekt sein kann!

   
Abschließende Arbeiten

Die Diode für Lampe 1 habe ich mit einem Ende gleiche an entsprechender Stelle am Motorschild angelötet, am anderen ende der Diodel das Kabel, das zum Lampenkontakt führt. Natürlich wurde die Diode noch entsprechend isoliert. Die Diode für Lampe 2 fand ihren Platz seitlich neben dem Umschalter (in der Vertiefung für die Platine) Natürlich muß auch sie gegen unerwünschte elektrische Verbindung isoliert werden.

Vor dem Aufsetzen des Gehäuses mußte noch überprüft werden, ob die Drehgestelle die nötige "Bewegungsfreiheit" haben, d.h. daß deren Beweglichkeit nicht durch die die Kabel eingeschränkt wird. Dann konnte das Gehäuse wieder aufgesetzt werden.

Nicht vergessen werden darf, die Fleischmann-Profi-Kupplung egen eine Bügelkupplung zu tauschen.

Nun doch: Schleifermontage

Nachdem sich der reine Oberleitungsbetrieb doch nicht so bewährt hatte, beschloß ich die Maschine doch noch mit einem Schleifer auszurüsten.

Hierzu wurde in der Mitte des nicht angetriebenen Drehgestells ein passendes Loch gebohrt und anschließend ein M2-Gewinde geschnitten.

Als Schleifer nahm ich den gängigen Schleifer 7164 von Märklin

Es empfiehlt sich auch, etwas Isolierband anzubringen, um einen Kontakt mit der Masse über den Metallrahmen des Drehgestells zu verhindern!

Fazit

 

Der Umbau der Lok hat sich in jeder Hinsicht gelohnt - meine 141er-Flotte, zu der bereits eine blaue, eine grüne, eine blau-beige und eine orientrote Lok (alle vier aus dem Hause Märklin) zählen, ist wieder um ein interessantes Exemplar gewachsen. Die Lok hat ausgezeichnete Fahreigenschaften, braucht sich also auch in diesem Punkt nicht hinter ihren Schwestern aus Göppingen verstecken. In punkto Detailierung übertrifft sie diese ohnehin.

 

Hinweis in eigener Sache: säntliche hier gezeigten Schritte stellen die von mir gewählte Vorgehensweise dar. Für Schäden, die durch Nachbauten entstehen, kann und werde ich keine Haftung übernehmen!

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