Kritisches und Nachdenkliches zun Hobby

Markenfetischismus

Beim Lesen der Beiträge in einschlägigen Diksussionsforen im Netz ist leider immer noch viel zu oft zu oft zu beobachten, daß sich "Modellbahner" abschätzig über bestimmte Hersteller äußern, einige dieser Beiträge kann man schon fast als Hetzreden bezeichnen. Mal bringt ein Gleichstromer seine Abneigung gegen Märklin zum Ausdruck, ein anderes mal schwingt ein Märklinist Haßtiraden gegen Roco.

Gute Auswahl auch für Mittelleiter-Wechselstrom

In den letzten Jahren haben fast aller HO-Hersteller damit begonnen, auch Modelle für das Mittelleiter-Wechselstromsystem anzubieten. Waren es früher nur eine Hand voll Anbietern, die entsprechende Varianten im Programm hatten, hat sich das Angebot für den Wechselstrombahner deutlich verbesser. Nur noch wenige Loktypen gibt es, die nicht serienmäßig für dieses System angeboten und deshalb mehr oder weniger aufwändig umgebaut werden müssen.

Die Tatsache daß das Wechselstrom-System einen solchen Aufschwung genommen hat, sollte eigentlich für jeden Märklinisten ein Grund zur Freude sein! Denn damit gehört es nämlich jetzt nicht mehr in die Reihe all jender Modellbahn-Systeme, für die es nur einen einzigen Anbieter gibt!

"Fremdfabrikat" - ein nicht mehr zeitgemäßer Begriff!

Viele Märklinisten reden, wenn sie sich ein Modell eines anderen Herstellers als Märklin (z.B. Fleischmann) kaufen, aber auch heute noch, im Jahr 2003, immer noch von einem "Fremdfabrikat" Doch sollte man diesen Begriff überhaupt noch benutzen - was ist denn an Modellen, die nicht von Märklin stammen, eigentlich überhaupt so "fremd"? Wieso soll eine Lok, die ab Werk serienmäßig für den Wechselstrombetrieb geliefert wurde, auf einer Wechselstromanlage "fremd" sein? Wohl kaum deshalb, weil sie nicht von Märklin stammt!

Die Qualität ist bei fast allen Herstellern gleich auf einem vergleichbar hohem Niveau. Doch anstatt sich zu freuen nun aus einem so großem Sortiment an Lokomotiven auswählen zu können, die serienmäßig für Wechselstrombetrieb geliefert werden, wird auf den anderen Fabrikaten herumgehackt, der Begriff "Plaste und Elaste" macht nur allzuoft die Runde und man wünscht sich Modelle die es z.B. schon von Roco in hervorragender Ausführung gibt von Märklin..Dabei vergessen viele, das auch Märklin viele Loks mit Plastik-Gehäuse im Programm hat und hatte! Und niemand unter den Hardcore-Märklinisten hat sich in irgendeiner Form daran gestoßen, nur bei anderen Herstellern werden Kunststoff-Gehäuse bemängelt. Nur verwendet man bei Märklin-Modellen eben auch den etwas vornehmeren Begriff "Kunststoff". Und immerhin bringt eine der den Hardcore-Märklinisten verhaßten "Fremdfirmen" (wenn ich in diesem Zusammenhang das Wörtchen "fremd" schon höre, dann dreht sich mir der Magen herum!) nun auch immer mehr Lokomotiven mit Metallgehäuse.

Für einen eigefleischten Wechselstrom-Bahner sollte es doch eigentlich ein Frevel sein, eine Lok, die mit Skischleifer und Fahrtrichtungsumschalter ausgerüstet ist, als "Fremdlok" zu bezeichnen!

Ich sehe mich in erster Linie als Modellbahnfreund, nicht als Märklin-Freund, Fleischmann-Freund, Roco-Freund, Lima-Freund oder was es da sonst noch so alles gibt. Deshalb interessieren mich auch alle Modellbahnhersteller gleichermaßen, ein "Fremdfabrikat" gibt es bei mir nicht.

Fanatismus

Damit wären wir bei einem weiteren Punkt angelangt. Manche Modellbahner gehen sogar soweit, daß sie bestimmte Modellbahnhersteller regelrecht hassen! Und da sind es nicht nur jene Hardcore-Märklinisten, die nicht müde werden, Roco-Produkte als "Plaste und Elaste" herabzuwerten, sondern auch all jene Gleichstromer, die eine Abneigung gegen die Erzeugnisse von Märklin haben und nicht einsehen wollen daß Märklin-Loks eben keine "Metallklumpen" sind! Eine vernünftige Betrachtung oder gar Beurteilung von Modellen ist bei diesen Personen gar nicht möglich, das Urteil ist bereits gefällt nachdem man den gelesen hat welcher Herstellername auf der Schachtel aufgedruckt ist!

Man sollte nämlich niemals ein Produkt beurteilen, bevor man nicht selbst Erfahrung damit gesammelt hat. Einmal ganz zu schweigen von oben erwähnten Leuten, die besagte Produkte wohl noch gar nicht mit eigenen Augen gesehen haben, da sie beim Besuch eines Modellbahnhändlers sofort zu der Vitrine stürmen, über welcher der Name ihres "Lieblingsherstellers" zu lesen ist, den übrigen Vitrinen der "Konkurrenz" jedoch keinerlei Beachtung schenken. Es trotzdem zu tun, grenzt an Anmaßung, wer dies tut stellt sich auf die gleiche Stufe mit jenen Theoretikern, die sich ihr Wissen aus der Fachliteratur anlesen um anschließend bei Diskussionen mitzumischen, ohne jedoch selbst jemals eine Modelleisenbahn betrieben geschweige denn besessen zu haben!

Ich stelle dabei die folgende Frage: kann eine Person, die einen Hersteller von Modelleisenbahnen haßt, überhaupt ein Modellbahnfreund sein? Wohl kaum! Modelleisenbahnen sind grundsätzlich etwas wunderschönes, der Herstellername auf der Verpackung in erster Linie doch eher zweitrangig!

Fahrzeuge verschiedener Hersteller auf einer Anlage friedlich nebeneinander - der Normalfall

Um ehrlich zu sein ist mir kein einziger Märklnist - zumindest persönlich - bekannt, der auf seiner Anlage auschließlich Märklin-Fahrzeuge einsetzt. Ich kenne sogar zahlreiche Anhänger dieses unseren Systems, bei denen zwar Gleise und Trafos von Märklin stammen - die überwiegende Zahl der Fahrzeuge aber von anderen Herstellern. Jeder, der den Großbetrieb einigermaßen realistisch nachstellen möchte, kommt gar nicht herum, seine Fahrzeuge von verschiedenen Herstellern zu kaufen. Da kommt es vor, daß bei einem Zug die Lok von Märklin stammt, die Wagen von Fleischmann; der Zug auf dem Nachbargleis hingegen stammt komplett von Roco. Und alles kann ohne größere Schwierigkeiten miteinander kombiniert werden, nichts, was wirklich "fremd" ist.

Märklinisten, die sich über angebliche Intoleranz von Gleischstrombahnern beschweren, sollten sich erstmal selbst überlegen, ob denn jene Intoleranz eigentlich angebracht ist, welche sie gegenüber all jenen Wechselstrombahnern zeigen, die in Sachen Fahrzeugen nicht mehr nur auschließlich auf Märklin-Erzeugnisse setzen.

"Märklinist" - das ist mittlerweile wohl eher eine Frage des Systems als eine Frage des Herstellers! Nicht unerwähnt bleiben darf dabei auch eine Reihe von Modellbahnfreunden, die Gleichstrom auf Märklingleisen fährt. Dieses auch als Mittelleiter-Gleichstrom bekannte System kombiniert dabei die Vorteile von Mittelleiter-Wechselstrom und Zweileiter-Gleichstrom, indem man keinen Fahrtrichtungsumschalter mehr braucht, aber trotzdem auf die sichere Stromübertragung und den einfacheren Aufbau (Kehrschleifen!) der Punktkontakt-Gleise nicht verzichten muß.

(hier klicken um mehr Informationen zu erhalten - von Martin Silz auf der marklin-users.net - Seite von Juhan Palm)

 

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